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Ein Hotel als Gemäldegalerie

Die Sammlung von Rom-Bildern im Hotel Victoria

Rom trägt den Titel der Ewigen Stadt – zu Recht, in keiner anderen Stadt finden wir so dicht gedrängt architektonische Zeugen der vergangenen zweieinhalb tausend Jahre. Diese einzigartige Stadtlandschaft hielten Maler aus ganz Europa in ihren Bildern fest. Zirka 500 von ihnen hängen auf allen Etagen des Hotel Victoria.

Wer möchte als Gast von Rom schon „irgendwo" übernachten? Niemand. Wir wollen den Hauch der Ewigen Stadt atmen, eng verbunden zu dem wohnen, was Rom zu seinem einmaligen Titel verholfen hat. Das ist möglich – im Hotel Victoria und zwar in zweifacher Hinsicht. Zunächst einmal liegt das Hotel direkt an einem großartigen Zeugnis römischen Städtebaues der Antike, der Aurelianischen Mauer aus dem 3. Jahrhundert. Und zum Zweiten durchweht der Hauch der Ewigen Stadt das ganze Innere des Hotels. In den Salons und im Restaurant, auf allen Gängen und in sämtlichen Zimmern zieren Ansichten der römischen Stadtlandschaft die Wände.

So profitieren die Gäste des „Victoria" nicht nur von seiner zentralen Lage, um Roms Plätze und Parks, Kirchen und Paläste zu besuchen. Sie können sozusagen „zu Hause" in aller Ruhe einen weiteren wichtigen kulturhistorischen Aspekt der Stadt kennen lernen: Rom als Zentrum der europäischen Malerei vom 17. - 19. Jahrhundert. In der Stadt der Kirche bestimmten in Renaissance und Barock vor allem religiöse Themen die Malerei. Doch wurde die Stadt gegen Ende des 17. Jahrhunderts zudem ein beliebtes Ziel von Malern aus anderen Ländern, die keine religiösen Szenen suchten. Vielmehr ließ das Interesse für die Antike und ihre in Rom noch so zahlreich vorhandenen Monumente in ganz Europa die Kundschaft für Bilder mit solchen Motiven ständig anwachsen. Gleichzeitig konnte die damals aufkommende Vorliebe für das Fremde und Exotische mit der Darstellung von Szenen aus dem so fremd erscheinenden südlichen Volksleben befriedigt werden.

In Rom kam es zu jener Zeit aber auch zur Entdeckung der Landschaftsmalerei, vor allem durch die Franzosen. Sie waren außerdem die ersten Maler, die sich dem südlichen Licht widmeten. Sie und auch die deutschen, flämischen und italienischen Künstler, die mehr die Ruinen und die Volkstypen malten, schufen indessen kaum wirkliche Ansichten, sondern fast nur ideale Szenen wie Darstellungen von Hirten mit ihrem Vieh inmitten von römischen Trümmern. Die Sammlung, die der Kunstkenner und Kunstsammler Rolf H. Wirth, Enkel des Hotelgründers und heutiger „Chef" des Hotels, zusammengetragen hat, beginnt mit einer wichtigen Gruppe von diesen frühen Bildern und folgt dann der weiteren Entwicklung der Rom-Malerei.

Das 18. Jahrhundert in Rom war geprägt von der „Grand Tour" der jungen Aristokraten aus ganz Europa nach Italien. Zunächst eher eine Art unterhaltsame Kavalierstour, entwickelte sich bald zu einer Bildungsreise, die häufig mehrere Jahre dauerte und in erster Linie Rom und Neapel und ihren Altertümern galt.

Die vornehmen und sehr reichen Reisenden jener Zeit, die ja zumeist nur einmal in ihrem Leben hierher zu kommen pflegten, wollten zu Hause zeigen, was sie in Italien gesehen hatten und auch Erinnerungsstücke mitnehmen. Sie verlangten nach getreuen Darstellungen der Orte, die sie gerne aufgesucht oder von denen sie besonders beeindruckt waren und bezahlten dafür hohe Preise. Daher wurden die in Rom anwesenden Maler mehr und mehr zu sogenannten „Vedutisten". Sie malten nun vorwiegend präzise Ansichten von Monumenten und Landschaften, die nicht mehr ideal, sondern real waren. Die abgebildeten Sujets wurden, bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts, oft auch willkürlich zu einer Gesamtansicht zusammengestellt, die es so in Wirklichkeit gar nicht gab, die aber die einzelnen Gegenstände auf einem einzigen Bild darstellen und in Erinnerung rufen sollten. Ein derartiges Bild nannte man ein „Capriccio" – auch davon gibt es im „Victoria" ein paar schöne Beispiele.

Der geschäftliche Erfolg zog nun immer mehr Maler aus ganz Europa nach Rom – gegen Ende des 18. Jahrhunderts soll es hier etwa 170 Künstler aus dem Ausland gegeben haben. Die Vielzahl der Künstler, die beliebten Sujets sowie die für die aufkommende Romantik bedeutungsvolle wilde, dramatische Landschaft der Umgebung ließen Rom bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts zum Reiseziel jedes jungen Malers werden. Hinzu kamen nicht zuletzt die Chancen auf ein wirtschaftliches Auskommen.

Die meisten Künstler mussten sich ganz den Veduten widmen. Andere, die es sich leisten konnten, nicht nur zum Verkauf zu arbeiten, begannen hier erstmals, im Freien „nach der Natur" zu malen – damals eine große Neuheit, welche die künftige Geschichte der Malerei stark beeinflusst hat. Während einige nur „intime Landschaften" malten, bauten mit der Zeit auch die Vedutisten die Elemente der Natur in ihre Ansichten ein, statteten sie also immer stärker mit Bäumen und anderen Pflanzen aus. Bei ihnen gewann auch das warme südliche Licht immer mehr an Bedeutung. Im „Victoria" ist eine stattliche Anzahl dieser romantischen Veduten von Rom und auch Tivoli zu sehen. Sie stammen vor allem von deutschen, dänischen und Schweizer Malern. Da diese oft großformatigen Bilder schon damals sehr teuer waren und im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr Reisende nach Rom kamen, die nicht über die enormen Mittel der Adligen im 18. Jahrhundert verfügten, schuf man mehr und mehr auch Veduten als Umrissstiche und Lithographien. Sie wurden dann koloriert, konnten aber eben gleichsam in Serien hergestellt werden. Die Sammlung Wirth umfasst gar mehrere Hundert dieser heute so gesuchten Exemplare aus jener Zeit.

In den 1860er Jahren erreichten die „Befreiungskriege", die schließlich zum geeinigten Italien führten, auch den Süden. Damit aber blieben die Reisenden weg und für die in Rom arbeitenden Maler gab es kaum mehr Arbeit. Zudem ließ die aufkommende Fotografie die Nachfrage nach Veduten sehr stark sinken. So verblasste Rom als Ziel der jungen Maler, die sich zu ihrer weiteren Ausbildung und Entfaltung lieber in München und Paris niederließen.

Nach der umfassenden und doch sehr behutsamen Sanierung des Hotels im neuen Jahrtausend haben die römischen Stadtszenen und Landschaftsbilder von der Umgebung eine Heimat am richtigen Ort gefunden. Für die Zeit ihres Aufenthaltes können die Besucher Roms, die im Victoria abgestiegen sind, ihre Eindrücke vom Tage an den überall hängenden Rom-Bildern auffrischen und bei der Gelegenheit abtauchen in eine Epoche, in der es nur ganz Wenigen vergönnt war, in ihrem Leben einmal in die Ewige Stadt zu reisen. In der heutigen Zeit, in der Bilder per Knopfdruck erscheinen und wieder zu löschen sind, gewinnen die Rom-Ansichten im Hotel Victoria eine neue Qualität: Sie halten die Zeit an.

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